Beigebrauch - unerlaubt

 

Kokain / Crack / Alkohol:

 
Der intravenöse Kokain-Konsum zunehmend auch der Konsum von Crack hat sich zu einem Massenphänomen in den Szenen entwickelt. Unter Substituierten stellt zudem der problematische Konsum von Alkohol ein maßgebliches Komplikationsfeld dar. Hier ist sicherlich eine weitere suchtmittelübergreifende Integration der Drogenhilfeangebote gefordert. Die Konstellation "Opiatabhängigkeit und Substitution" kann in Zukunft nicht mehr die einzige Zugangspforte zu den Angeboten der psychosozialen Begleitung sein. Wünschenswert wäre die explizite Öffnung der Angebote auch für Personen, die vornehmlich andere Substanzen konsumieren.

 

Gleichzeitig ist die konzeptionelle Fundierung und Bereitstellung von Betreuungsangeboten für Kokain/Crack-Konsumenten unbedingt erforderlich. Es liegen zwar einzelne Erfahrungen und Konzeptentwürfe vor, doch für eine umfassende Hilfe über Einrichtungsgrenzen hinaus reicht dies nicht aus. Die Drogenhilfe in Hamburg hängt diesbezüglich schon heute mindestens 5 Jahre hinter der tatsächlichen Entwicklung der Problemlagen zurück.

 

Erste Schritte in diese Richtung wäre die Bewilligung einer Projektförderung für niedrigschwellig zugängliche ambulante Akupunkturangebote sowie die Adaption der "Basement"-Konzepte (vgl. Rotterdam) für Kokain- / Crack-Konsumenten.

 

Substitution und Beigebrauch: 

 

Beigebrauch anderer Rauschmittel, vor allem von Alkohol und/oder Kokain, in zweiter Linie auch von Benzodiazepinen tritt in unterschiedlicher Ausprägung bei vielen Klientinnen im Verlauf der Substitution auf.

 

Nur ein geringer Teil der Substitutionspatienten bewältigt die Behandlung ohne zumindest zeitweiligen Beikonsum.

 

Polivalenter Konsum ist keine Kontraindikation für die Substitutionsbehandlung.

 

Bei ausgeprägtem Beikonsum empfiehlt sich ggf. eine (stationäre) Teilentzugsbehandlung.

 

 Nach einer ausreichend langen Substitutionsbehandlung kommt es in zahlreichen Fällen zu einer deutlichen Abschwächung des Beikonsums. Bei Personen, bei denen der Lebensalltag auch nach längerer Substitutionsbehandlung deutlich durch Probleme des Beikonsums bestimmt wird, kann eine Beendigung der Substitution zugunsten einer längerfristigen stationären Entwöhnungsbehandlung erwogen werden, soweit die Klientin dem zustimmt.

 

Beigebrauch stellt ein zentrales Komplikationsfeld im Rahmen der Substitutionsbehandlung dar. Durch den Fortbestand der durch den vorherrschenden intravenösen Kokainkonsums gegebenen Infektionsgefahr erhält dies eine besondere Tragweite. Anhaltender Beigebrauch führt idR zu einer Einschränkung zumindest aber deutlichen zeitlichen Verzögerung der zu erwartenden positiven Effekte der Substitution.

 

Die Entwicklung des Beigebrauchs verläuft im Einzelfall meist ausgeprägt diskontinuierlich.

 

Wir betrachten sie als wesentliches Kriterium für Verlaufs- und Ergebnisqualität von Substitution und psychosozialer Begleitung.

 

Im Beigebrauchsverhalten der Klientinnen spiegeln sich wesentliche Ambivalenzen im Spannungsfeld zwischen der Lebenswelt Drogenszene und größerer subjektiver Handlungsfähigkeit im gesellschaftlichen Raum, einschließlich der diesbezüglichen psychischen Ambivalenzkonflikte.

 

Die Zahl derjenigen Klientinnen, denen es über lange Zeiträume kaum gelingt, ausgeprägten Beikonsum günstig zu beeinflussen, ist eher niedrig. überwiegend zeigt sich eine Tendenz zur Beruhigung der Problematik im Zeitverlauf.

 

Eine ausgeprägte Alkoholabhängigkeit scheint dabei im Rahmen der Substitution eher schwerer bewältigbar zu sein als eine bestehende Kokain- bzw Benzodiazepinproblematik.

 

Anhaltender Beikonsum kann Hinweis auf eine bestehende psychiatrische Erkrankung sein. 

 

Vor diesem Hintergrund versuchen wir, die Problematik des Beigebrauchs im Kontext der PSB fortlaufend zu problematisieren. Auf Grund der fortbestehenden Infektionsgefahr bieten wir Informationen bzgl. eines risikoärmeren Drogengebrauchs an ("Safer Use"). Auf Wunsch der Klientinnen machen wir die Überwindung bzw. Einschränkung von Beigebrauch zu einem zentralen Arbeitsthema im Rahmen der PSB. 

 

Gleichzeitig gehen wir davon aus, dass die Problematik des Beigebrauchs in vielen Fällen wiederkehrend und anhaltend bleibt.

 

Eine forcierte Überwindung des Beigebrauchs ohne Berücksichtigung der Hintergrundkonflikte kann durchaus eigene Risiken bergen (ggf. psychiatrische Dekompensation bis hin zu suizidalen Krisen) die berücksichtigt und sorgfältig abgewogen werden müssen. 

 

In einer eigenen Erhebung (Palette 1, 1998, N= 60) kamen wir zu einer Abschätzung, wonach ca. 72 % der Klientinnen im Verlauf der Substitutionsbehandlung zumindest zeitweilig Kokain konsumieren.

 

Die unterschiedlichen Kokain-Gebrauchsmuster wurden dabei einer der 4 folgenden "Verlaufsgruppen" zugeordnet. Maßgeblich dafür war die Einschätzung des aktuellen Beikonsums im Befragungszeitraum durch den/die Bezugstherapeutin.

 

Es ergab sich folgende Verteilung: 

Verlaufsgruppe 1: "Insgesamt unbefriedigender Verlauf mit anhaltendem beträchtlichem Kokain-Beikonsum" : 12% der befragten Klientinnen. 

Verlaufsgruppe 2: "Nach wie vor vorhandener, phasenweiser Kokain-Beikonsum, der aber gegenüber früheren Phasen der Substitutionsbehandlung deutlich weniger ausgeprägt ist": 43 % der befragten Klientinnen. 

Verlaufsgruppe 3: "über lange Zeiträume unverändert vorhandener Kokain-Beikonsum, in relativ geringem Ausmaß (maximal 1 Konsumereignis pro Monat mit einem Geldaufwand von maximal 60.- DM)": 10% der befragten Klientinnen.

 
Verlaufsgruppe 4: "Stabile Kokainabstinenz (mindestens 18 Monate ohne Konsumereignis)" 35 % der befragten Klientinnen.

 


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